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12.09.14
14:17 Uhr
SPD

Kirsten Eickhoff-Weber zu TOP 21: Der Öko-Landbau bringt Mehrwert für die Gesellschaft

Es gilt das gesprochene Wort!
Kiel, 12. September 2014


TOP 21, Strategie für die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Schleswig-Holstein (Drucksache 18/2214 und 18/2258)



Kirsten Eickhoff-Weber:
Der Öko-Landbau bringt Mehrwert für die Gesellschaft

Am 21. August titelt die Zeit in der Rubrik Beruf/Chancen „Idylle lohnt sich nicht“. Unter dieser Überschrift ein Artikel zum Thema „Biolebensmittel werden immer beliebter. Und trotzdem geben zahlreiche deutsche Biobauern auf?“ Es geht nicht um Idylle! Die nationale Strategie für biologische Vielfalt ist seit 2007 in der Bundesrepublik beschlossene Sache. Und die Einrichtung des Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ geht auf eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag von 2009 zurück. Darin ist die deutsche Strategie zur Umsetzung des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt formuliert und festgeschrieben. Dazu gehört auch ein nationaler Zielwert von 20% Flächenanteil für den ökologischen Landbau.
BUND und NABU haben in ihrer Analyse zum Schutz der biologischen Vielfalt in den Ländern vom 21.03.2014 für Schleswig-Holstein festgestellt: „Nach dem Einbruch von 2010 zu 2012 verbleibt der Flächenanteil des ökologischen Landbaus in Schleswig-Holstein unverändert auf niedrigstem Niveau.“ Wir sind damit Schlusslicht aller Bundesländer.
Und noch einmal, es geht nicht um Idylle! Es geht um die Leistungen, die der ökologische Landbau als Mehrwert für die Gesellschaft bringt: Biodiversität, Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, Verzicht auf Pestizideinsatz, Erhalt der Kulturlandschaft und Arbeitsplätze im ländlichen Raum. 2



Die gute Ernte und hohe Preise bereiten den konventionellen Betrieben derzeit gute Erträge. Das freut mich für die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein. Das bedeutet aber auch, dass der Biolandbau derzeit finanziell wenig attraktiv ist. Hier brauchen wir ein klares Signal – Wertschätzung und Anerkennung der gesellschaftlichen Leistungen des Biolandbaus, um die Landwirte im Biolandbau zu halten. Wir haben deshalb nicht nur die Beibehaltungsprämie 2012 wieder eingeführt, das MELUR hat auch die Fördersätze aktuell angehoben.
Denn die Produktionsweise geht einher mit mehr Arbeit und höheren Kosten. Das bedeutet, dass wir die sich ergebenden Spielräume durch die Neuberechnung der Durchschnittsprämie auf Bundesebene nutzen müssen und wir müssen wie andere Bundesländer – so auch Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern – den Ökolandwirten die Möglichkeit eröffnen, in die neuen Förderbedingungen zu wechseln.
Um aber einen signifikanten Schritt nach vorne zu kommen, brauchen wir eine strategische Ausrichtung. Daher sind wir dem Minister dankbar, dass das MELUR die Erarbeitung einer Gesamtstrategie für die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Schleswig-Holstein in Auftrag gegeben hat. Nur wenn die Betriebe, Verbände, Institutionen, Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam die Zukunft des Ökolandbaus gestalten, kann eine nachhaltige Entwicklung auf den Weg gebracht werden.
Die Nachfrage nach Bioprodukten wächst und wird weiter wachsen. Ein europäisches Forscherteam unter Leitung der Universität Newcastle hat im Rahmen einer Metastudie festgestellt, dass die Qualität von Lebensmitteln stark vom Anbau beeinflusst wird. Biologische Anbaumethoden führen zu höheren Gehalten an ernährungsphysiologisch erwünschten Inhaltsstoffen. Und hier liegt der große Irrtum der EU-Ökoreform: Nicht die Abwesenheit von unerwünschten Substanzen entscheidet, was öko ist, sondern die besonderen Inhaltsstoffe und die Gestaltung der Produktionsabläufe.
An diesem wachsenden Markt sollen auch schleswig-holsteinische Ökobetriebe teilhaben. Also muss über die Wertschöpfung durch Verarbeitung und Vermarktung, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und die Erschließung neuer Märkte nachgedacht und strategisch entschieden werden. Ein Ökokompetenznetzwerk Schleswig-Holstein kann einen entscheidenden Beitrag zur Etablierung ökologischer Landbauweisen leisten, ein Netzwerk, in 3



dem das Wissen und die Initiativen gebündelt werden, über EU-Förderperioden, GAK-Rahmen und Legislaturperioden hinweg.
Und ganz wichtig ist mir, dass wir den Ökolandbau nicht gegen die konventionelle Landwirtschaft entwickeln wollen. Nein, beides nachhaltig und Ressourcen schonend, auf hohem Qualitätsniveau, in der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft.