Jürgen Weber zu TOP 10: Wir brauchen mehr Mittel und Sportentwicklungsplanung
Es gilt das gesprochene Wort! Kiel, 19. Juni 2014TOP 10, Große Anfrage Evaluation des Sanierungsstaus bei Sportstätten in den Kommunen (Drucksache 18/1951)Jürgen Weber:Wir brauchen mehr Mittel und SportentwicklungsplanungJeder, der Sport treibt, Sportveranstaltungen besucht, oder jemanden kennt, der Sport treibt, hat einen persönlichen Eindruck vom Sanierungsbedarf bei Sportstätten. Beispiele fallen allerdings kommunal sehr unterschiedlich aus und fallen im Hinblick auf Bedarfe verschiedener Sportarten unterschiedlich aus.Die Antwort auf die Große Anfrage gibt uns einiges an wichtigen Daten an die Hand. Für die kommunalen Sportstätten wurden gut 55 Mio. Euro an Sanierungsbedarfen ermittelt, betroffen vom Sanierungsbedarf seien ca. ein Drittel aller Sportstätten. Bei aller Vorsicht hinsichtlich der Zahlen: Bemerkenswert ist, dass der Bedarf in den letzten Jahren nicht gestiegen ist, sondern geringer angesetzt wird als noch vor Jahren (2006 wurden 70 Mio. angenommen). Bemerkenswert auch die Zahlen der in den letzten Jahren tatsächlich erfolgten Investitionen: 2012 bis Ende 2013 fast 80 Mio Euro. Die Relationen hinsichtlich des Sanierungsbedarfs bei den Sportstätten der Vereine und Verbände dürften ähnlich sein wie bei den Kommunen.Die Große Anfrage nimmt kommunale Sportstätten in den Fokus. Das sind ca. 2.500 von ca. 3.500 Sportstätten insgesamt .Über 800 sind Sportstätten der Vereine oder Verbände. Die Verantwortung für den kommunalen Sportstättenbau liegt vor Ort. Die Instrumente, die uns weiterhelfen, sind kommunale Sportentwicklungspläne. Die Erkenntnis ist nicht neu. 2Wo es um Schulsport geht, reden wir über hoheitliche Aufgaben, wo es um Vereins- oder unorganisierten Sport geht, reden wir über freiwillige Leistungen.Die Zahlen, die uns vorliegen, sind natürlich politische Zahlen. Dass es Handlungsbedarf gibt, steht außer Frage. Sportfachlich allerdings gibt es nach wie vor reichlich Fragen, die zu beantworten sind: - Wo reden wir über Instandsetzungen, die dringend notwendig sind? - Wo reden wir über Modernisierung, die unbedingt wünschenswert ist?Diese Dinge werden weiterhin oft vermischt. Auf jeden Fall ist das aus den vorgelegten Statistiken nicht wirklich zu entnehmen. Oft ungeprüft bleiben Effizienzmöglichkeiten bei der Nutzung von Sportanlagen.Man macht bisweilen auch noch andere Erfahrungen: Fragt man nach dem Zustand und der Verfügbarkeit von Sportanlagen, besonders bei Sporthallen, erhält man von Vereinen, von Schulen und von der Verwaltung bisweilen höchst unterschiedliche Antworten.Schaut man in die Praxis, wäre es wünschenswert zu wissen:Wann reden wir über Wohlbefinden und Standard, das heißt z.B. Belüftung, Verschmutzung u. ä.?Wann reden wir von konkreten Verletzungsgefahren – Risse in Böden u.ä?Wann reden wir über Normqualitäten, also die Zulassung für bestimmte Sportwettkämpfe?Was ist letztlich das Kriterium von Dringlichkeit?Eine Aufstockung von Mitteln oder gar Sondermittel des Landes sind nur dann sinnvoll, wenn Bedarf und Priorität hinreichend konkret und nachhaltig festgestellt sind. Und das geht weit über die Zahlen hinaus, die die Große Anfrage bringen kann.Sportanlagen haben in der Regel eine Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren. Deswegen muss bei Sanierungsvorhaben mitgedacht werden,- ob und in welchem Umfang die Sportstätten überhaupt noch gebraucht werden,- wie sie derzeit ausgelastet sind, 3- ob Bewirtschaftungsmittel vor dem Hintergrund des Alters und der Lebensdauer der Anlagen langfristig in den Haushalten bereitgestellt werden können.Eine weitere Herausforderung ist die künftige Entwicklung des Sports. Fachleute sagen uns, dass der Bedarf an Normsportstätten zumindest nicht zunehmen wird, der Bedarf an wettkampftauglichen Sportstätten sich verändern wird. Wenn wir künftig - noch stärker Kinder in Bewegung bringen wollen, - uns um die „fitten Alten“ kümmern, - „Sport für alle“ ernsthaft durchdeklinieren, - den Bedarf nach Gesundheitsangeboten befriedigen - und Präventionsprogramme wie „Sport gegen Gewalt“ ausbauen wollen,dann wird das auch Innovationen beim Sportstättenbau erfordern. Kleinere, informelle Bewegungsräume werden neu zu gestalten sein.Wenn Mittel zur Verfügung gestellt werden, wenn Mittel zur Verfügung stehen, dann brauchen wir als Grundlage eine Sportentwicklungsplanung, die uns Aufschlüsse gibt über 1. derzeitige Auslastung von Sportstätten 2. künftige Bedarfe vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung und der Schulentwicklungsplanung 3. eine Prüfung der sportfachlichen Notwendigkeit von Sanierungsvorhaben 4. die Prüfung von Kooperationen auf Vereinsebene und von interkommunalen Kooperationen 5. die Prüfung der Frage einer nachhaltigen Bewirtschaftung und der Trägerschaft derselben.Grundlagen dafür sind gelegt. Auf einer vielbeachteten Tagung der Kieler Universität unter dem Titel „Sportstätten neu denken und gestalten: planen – finanzieren – bauen – betreiben“ vor wenigen Jahren hat der damalige LSV Präsident Ekkehard Wienholtz formuliert: „Die Instrumente, die uns weiterhelfen, sind kommunale Sportentwicklungspläne. Der Landessportverband leistet bei der Analyse der gesellschaftlichen Wandlungsprozesse und deren Auswirkungen auf den Sport bereits seit Jahren eine intensive Vorarbeit.“ Das hat bis heute Gültigkeit. Und deswegen ist es wichtig, die Debatte darüber zu führen, wie wir nachhaltig, 4zielgenau und kommunalgerecht Sanierung, Modernisierung und innovativen Umbau der Sportstättenlandschaft ausrichten. Dafür braucht es nicht nur Daten und Fakten. Dafür reichen auch nicht nur Konzepte, dafür braucht man natürlich auch Geld.Der LSV weist darauf hin, dass die zur Verfügung stehenden, jährlich über den Landesportverband vergebenen Investitionsmittel von 1,6 Mio Euro mittlerweile überwiegend in die Sanierung von vereinseigenen Sportstätten fließen und damit Geld für dringend gebotene Investitionen in Neubauten und eine moderne und zeitgemäße Infrastruktur fehle.Insgesamt muss man feststellen: Auch wenn weiterhin die Mittel des KIF und Städtebaufördermittel zur Verfügung stehen, wäre ein gesondertes Sportstättensanierungs- und Investitionsprogramm sehr wünschenswert. Wünsche müssen aber eben auch vertretbar und finanzierbar sein. Das Land kann und darf keine neuen dauerhaften Verpflichtungen eingehen.Worüber geredet werden muss, sind neue Wege für spürbare Investitionshilfen. Die SPD- Fraktion misst dem große Bedeutung bei und wird deswegen die Beratungen zum kommenden Haushalt nutzen, um konkrete Schritte dafür auf den Weg zu bringen – wenn und dort, wo – und damit bin ich wieder bei meinen Anfangsworten – konzeptionelle Planungen für eine nachhaltige Sportentwicklung vorliegen.