Anita Klahn zu TOP 28 (Inklusion entschleunigen): Wir brauchen neue Bedingungen für gelingende Inklusion
FDP-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein 1Presseinformation Es gilt das gesprochene Wort!Sperrfrist Redebeginn Wolfgang Kubicki, MdL Vorsitzender Christopher Vogt, MdL Nr. 136 / 2014 Stellvertretender Vorsitzender Dr. Heiner Garg, MdL Parlamentarischer Geschäftsführer Kiel, Donnerstag, 20. März 2014Bildung / Inklusion www.fdp-fraktion-sh.de Anita Klahn: Wir brauchen neue Bedingungen für gelingende Inklusion In ihrer Rede zu TOP 28 (Inklusion entschleunigen) erklärt die bil- dungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Anita Klahn:„Zum Einstieg möchte ich aus dem Beschluss der KMK aus Novem- ber 2011 zur Inklusiven Bildung zitieren:‚Inklusiver Unterricht beinhaltet Maßnahmen innerer und äußerer Dif- ferenzierung, um flexibel und angemessen auf die Erfordernisse der Lerngruppe mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen eingehen zu können, und schließt personelle Überlegungen ein.‘Und weiter:„Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen sollen Bildungs-, Beratungs- und Unter- stützungsangebote in verschiedenen Formen zur Verfügung stehen. Sie sind an verschiedenen Lernorten, ggf. Schwerpunktschulen, in- haltlich und zeitlich unterschiedlich ausgeprägt. Die verschiedenen Angebote…(sollen) dem Unterstützungsbedarf der Kinder und Ju- gendlichen mit Behinderung entsprechen.‘Dazu wird in dem Papier explizit auf die Notwendigkeit der personel- len, räumlichen und sächlichen Ausstattung verwiesen (S. 15).Doch was ist bislang konkret umgesetzt? Lassen sie mich die erho- benen Vorwürfe aus bildungspolitischen Diskussionen wie folgt zu- sammenfassen:Wir lassen Schulen alleine. Wir lassen die Eltern alleine. Wir lassen die Lehrer alleine und vor allem lassen wir die Kinder alleine.Dr. Klaus Weber, Pressesprecher, v.i.S.d.P., FDP-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431 / 988 1488, Telefax: 0431 / 988 1497, E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: http://www.fdp-fraktion-sh.de 2 Die Situation an den Schulen ist teilweise dramatisch. Wir dürfen die Klagen der Lehrer nicht einfach ignorieren. Die Unterstützung, die die Lehrer an den Regelschulen bekommen, ist einfach zu gering. Wenn man einem Lehrer für vielleicht zwei oder vier Stunden in der Woche einen Sonderpädagogen an die Seite stellt, dann reicht das einfach nicht.Einen Aspekt müssen wir uns in der Debatte immer vergegenwärti- gen. Es geht beim Thema Inklusion nicht nur um die Rechte von Kin- dern mit besonderem Förderbedarf, sondern es geht genauso um die Rechte und Bildungschancen aller Kinder. So hat es Dr. Klug für mei- ne Fraktion bereits vor fünf Jahren klargestellt.Auch bedeutet Inklusion nach UN-Konvention nicht Gleichmacherei. Inklusion bedeutet, die Unterschiedlichkeit aller Kinder zu achten und jedes Kind nach seinen Bedürfnissen individuell zu fördern. Dazu brauchen wir vielfältige Angebote. Regelschulen können unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht immer den Bedürfnissen für Kinder mit Behinderung gerecht werden. Auch darf es keine verord- nete Inklusion geben. Eltern müssen die Wahlmöglichkeit haben, die für ihr Kind jeweils beste Förderung zu wählen.Wir brauchen neue Bedingungen für gelingende Inklusion. Meine Fraktion ist der festen Überzeugung, dass wir differenzierte Lösungen brauchen. Die unterschiedlichen Förderbedarfe sind auch unter- schiedlich zu behandeln. Wir müssen Kinder mit körperlicher Behin- derung anders betrachten, als Kinder mit Problemen bei der geistigen Entwicklung und als lernschwache Kinder oder Kinder mit Problemen im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung.Aus unserer Sicht sind die ersten beiden Gruppen nicht die Haupt- problemfelder, über die wir sprechen. Niemand zieht in Zweifel, dass Kinder mit körperlichen Behinderungen an Regelschulen unterrichtet werden sollen. Das ist eine reine Frage der Barrierefreiheit. Auch ha- ben wir mit den Landesförderzentren, z.B. Hören, gute Ergänzungen, da wo es nötig ist.Aus unserer Sicht gibt es auch keine Zweifel daran, dass wir die G- Förderzentren weiter benötigen. Wer schon mal ein solches Zentrum besucht hat, kann nicht ernsthaft der Meinung sein, dass wir diese Zentren schließen sollten. Vielmehr müssen wir in diesem Bereich dringender ins Auge fassen, wie sich das Problem, dass die geistige Behinderung von Kindern verstärkt auf exogene Faktoren zurückzu- führen ist und damit leider auch eine soziale Frage ist, lösen lässt.Gedanken müssen wir uns um die letzte Gruppe machen. Es sind doch die lernschwachen Kinder und die Kinder mit Problemen im so- zial-emotionalen Bereich, die im Fokus stehen. Bei diesen Kindern gelingt aktuell häufig die Inklusion nicht. Wir brauchen eine nachhalti- ge Verbesserung der Unterstützungsmaßnahmen für Regelschulen. Wir brauchen aber auch qualitativ hochwertige Förderschulen in die- sen Bereich. Weitere Schließungen von Förderzentren lehnen wir ab. Dr. Klaus Weber, Pressesprecher, v.i.S.d.P., FDP-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431 / 988 1488, Telefax: 0431 / 988 1497, E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: http://www.fdp-fraktion-sh.de 3 Stattdessen sollte da, wo Bedarf besteht, Förderschulen wieder auf- gebaut werden. Das kann auch sehr gut als Förderzentrumsteil einer allgemeinbildenden Schule geschehen. Dafür gibt es ja bereits zahl- reiche Beispiele. Auch sollten wir prüfen, wie die Kooperation zwi- schen Förderschulen und allgemeinbildenden Schulen ausgebaut werden kann.Von daher wird der vorliegende Antrag von der FDP unterstützt.“Dr. Klaus Weber, Pressesprecher, v.i.S.d.P., FDP-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431 / 988 1488, Telefax: 0431 / 988 1497, E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: http://www.fdp-fraktion-sh.de