Jürgen Weber zu TOP 17: Schulabschluss und Training in optimaler Weise verbinden
Es gilt das gesprochene Wort! Kiel, 20. Juni 2013TOP 17: Gründung einer eigenen „Eliteschule des Sports“ in Schleswig-Holstein (Drucksache 18/673)Jürgen Weber:Schulabschluss und Training in optimaler Weise verbindenEs ist schon das zweite Mal in diesem Jahr, dass wir uns mit der Förderung des Spitzensports oder genauer mit der Förderung angehender Spitzensportlerinnen und -sportler befassen. Wir haben im Februar in großer Einmütigkeit Änderungen im Hochschulzulassungsgesetz vorgenommen, die es Leistungssportlern erleichtern, ein Hochschulstudium zu absolvieren, was ohnehin sehr schwierig ist, wenn man den hohen Zeitaufwand zu bewältigen hat, den ein Leistungssportler nun einmal auf die Reihe bekommen muss.Wenn wir uns heute mit dem Konzept „Eliteschule des Sports“ befassen, steht dabei dieselbe Motivation im Mittelpunkt, die auch Minister Breitner benannt hat: Sportliche Betätigung kann und sollte möglichst das ganze Leben begleiten, aber Leistungssport kann allenfalls ein Schachspieler noch ausüben, wenn er neunzig Jahre alt ist.Das Ende einer Karriere als Leistungssportler kann sehr viel früher kommen, als es geplant ist. Ein Foul, ein Unfall, eine kleine Unvorsichtigkeit, und die Teilnahme an der nächsten Olympiade oder Europameisterschaft hat sich erledigt. Wir stehen deshalb in der Verantwortung, dass jeder junge Mensch, der als Fußballer, Handballer, Leichtathlet oder Ruderer auf der Jagd nach Medaillen ist, die Möglichkeit hat, den bestmöglichen Schulabschluss und darauf aufbauend die bestmögliche Berufsausbildung oder ein Studium zu absolvieren, die ihn zu einer Berufstätigkeit führen, mit der er oder sie das Leben bis zur Rente sinnvoll und befriedigend gestalten kann, auch wenn die Spitzensportlerkarriere vorbei ist. 2Die Eliteschulen des Sports bieten die Möglichkeit, Schulabschluss und Training in optimaler Weise zu verbinden. Es gibt bereits 41 solche Eliteschulen, davon 20 in den alten Bundesländern, 18 in den neuen Ländern, die auf den Kinder- und Jugendsportschulen der DDR aufbauen konnten, und 3 in Berlin. Ihre Leistungsbilanz ist beeindruckend. Für Deutschland sind bei den Olympischen Spielen 2012 392 Sportlerinnen und Sportler an den Start gegangen, von denen 104 in solchen Eliteschulen gefördert wurden, ihr Anteil an den Medaillengewinnern liegt dabei noch wesentlich höher, nämlich bei 30 von 86.Bei den Wintersportlern sind die Eleven dieser Schulen noch erfolgreicher: In Vancouver stellten sie mehr als die Hälfte der 153 deutschen Teilnehmer und 36 der 43 Medaillengewinner.Die schleswig-holsteinischen Sportlerinnen und Sportler haben bei Olympischen Spielen und Meisterschaften herausragende Leistungen erbracht. Es ist daher sicher kein guter Zustand, dass Schleswig-Holstein das einzige Bundesland ohne eine solche Eliteschule ist. Es ist nur nicht ganz so einfach, diese Lücke zu schließen. Zum einen liegt es nicht in der Entscheidung des Landes, sondern in der des Deutschen Olympischen Sportbundes, einer Schule diesen Titel zu verleihen. Die dabei zugrundeliegenden Kriterien sind mit Recht anspruchsvoll.Der Minister hat in seinem Bericht auf Probleme verwiesen, die mit der absolut geringen Zahl von Leistungssportschülern in Bundeskadern zusammenhängen und auch damit, dass wir eben nicht zwei weit voneinander entfernte Schulstandorte gemeinsam als Eliteschule des Sports anmelden können.Und wir müssen uns natürlich darüber im Klaren sein, dass angesichts anderer bildungspolitischer Prioritäten die Finanzierung eines solchen Projektes nicht eben nebenher aus der Portokasse erfolgen kann. Ich bin daher mit dem Innenminister ganz und gar einig, dass wir durch ein Zusammenwirken von allen beteiligten Institutionen auf Regierungsebene und bei den Sportverbänden die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen müssen.Die Partnerschulen und Bundesstützpunkte sind auf einem guten Weg und wir müssen ihnen Zeit geben, um ihre Erfahrungen auswerten zu können. Es wird daher diese Eliteschule sicher noch nicht zum nächsten oder übernächsten Schuljahr geben können. Den Weg in diese Richtung wollen wir aber gehen. Wenn es neue Erkenntnisse gibt, sollte der zuständige Innenminister sie im Bildungsausschuss vortragen.