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25.01.12
16:27 Uhr
SSW

Anke Spoorendonk zu TOP 26 - Für den Erhalt der Sektion für Sexualmedizin am UKSH in Kiel

Presseinformation Kiel, den 25.01.2012



Es gilt das gesprochene Wort



Anke Spoorendonk

TOP 26 Für den Erhalt der Sektion für Sexualmedizin am UKSH in Kiel Drs. 17/2155

Die Lage der Sektion für Sexualmedizin am UKSH sieht alles andere als rosig aus: Wir alle
konnten der Presse entnehmen, dass das Institut rote Zahlen schreibt. Als Reaktion des UKSH
auf das erwirtschaftete Minus in der Abteilung wurden bereits Stellen gestrichen. Heute
scheint nicht nur die sexualmedizinische Forschung und Lehre, sondern das Institut insgesamt
in seiner Existenz bedroht.


Offensichtlich beläuft sich das Defizit auf etwas mehr als 150.000 Euro. Dabei ist von allen
Seiten zu hören, wie wertvoll und unersetzlich die Arbeit der Sektion Sexualmedizin ist. Auch
der ausgezeichnete Ruf des Instituts - weit über die Landesgrenzen hinaus - scheint allen
bekannt zu sein. Doch trotz dieser Fakten und trotz der Tatsache, dass sich die Probleme in
diesem Bereich schon seit Jahren zuspitzen, haben es die Beteiligten bis heute nicht geschafft,
zu einer tragfähigen Lösung zu kommen. Das ist mehr als bedauerlich. 2
Wie wichtig die Sexualmedizin für den Universitätsstandort Kiel und das gesamte Land ist,
wird nicht zuletzt durch die Stellungnahmen der Richter- und Strafverteidigervereinigung oder
der Bewährungshelfer deutlich. Fakt ist, dass diese Gruppen wissen, wovon sie reden, weil sie
nah an den Betroffenen sind. Sie weisen aus unserer Sicht zu Recht darauf hin, dass die Sektion
Sexualmedizin für die rechtsstaatliche Durchführung von Strafverfahren unersetzlich ist. Man
braucht ganz einfach qualifizierte Gutachter, die belastbare Prognosen treffen können. Sie
müssen fundiert aus- und fortgebildet werden. Und hierfür brauchen wir eine eigenständige
sexualwissenschaftliche Forschung und Lehre, die den höchsten Standards entspricht. Daran
gibt es für uns keinen Zweifel.


Mindestens genauso wichtig ist aus Sicht des SSW die Aufgabe der Kriminalitätsvorsorge. Und
gerade hierzu leistet das Institut einen besonders wertvollen Beitrag. Die qualifizierte
Beratungsarbeit hilft dabei, potentielle Täter von der Begehung von Sexualstraftaten
abzuhalten. Natürlich ist es schwierig, die Ergebnisse dieser Arbeit in konkreten Zahlen zu
messen. Doch wir haben keinen Zweifel daran, dass das Institut um Professor Dr. Bosinski dazu
beiträgt, Straftaten zu verhindern. Damit werden nicht nur Folgekosten für die Gesellschaft
vermieden. Viel bedeutender ist, dass das menschliche Leid, das mit solchen Straftaten
verbunden ist, durch die Arbeit vermindert wird. Der Richterverband hat völlig recht, wenn er
darauf hinweist, dass Mittelkürzungen in diesem Bereich letztendlich die Opfer treffen.


Für uns steht fest: Die aktuelle Einwicklung kann nicht tatenlos hingenommen werden. Das
Kieler Institut ist das einzige seiner Art im gesamten Land, trägt unbestreitbar zur Attraktivität
der Uni bei und leistet unverzichtbare Präventionsarbeit. Diese Einrichtung darf nicht einfach
weggespart werden! Natürlich sind zuallererst das UKSH und die Uni Kiel in der Pflicht. Doch
nicht zuletzt trägt auch das Land eine Mitverantwortung. So einfach, wie es die Antwort der
Landesregierung auf die kleine Anfrage des Kollegen Weber nahelegt, ist es unserer Meinung
nach nicht. Denn es ist eine unbestreitbare und wichtige Aufgabe des Landes, die Sicherheit der
Bevölkerung zu gewährleisten. Deshalb unterstützen wir unverändert die Forderung an die 3
Landesregierung, ressortübergreifend und gemeinsam mit UKSH und CAU ein Konzept zum
Erhalt der Sexualmedizin zu entwerfen.
Der SSW ist der Meinung, dass eine Schließung der Sektion kaum auf anderen Wegen
aufgefangen werden kann. Es gibt landesweit keine Alternativeinrichtung, die auf annähernd
gleichem Niveau Therapien für inhaftierte Sexualstraftäter durchführen kann. Und es gibt
keine andere Anlaufstelle, die Männer mit pädophilen Neigungen ähnlich professionell
versorgen und damit verhindern kann, dass sie zu Tätern werden. Die Sektion für
Sexualmedizin am UKSH leistet höchst professionelle Arbeit. Hier können nicht einfach
Ehrenamtliche oder Nicht-Therapeuten einspringen. Die Folge wäre, wie im Antrag der SPD
benannt, dass gefährliche Sexualstraftäter unzulänglich begutachtet und therapiert werden
und weiterhin eine Gefährdung der Bevölkerung im Land darstellen. Das müssen wir
unbedingt verhindern.