Anke Spoorendonk zu TOP 26 - Für den Erhalt der Sektion für Sexualmedizin am UKSH in Kiel
Presseinformation Kiel, den 25.01.2012Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 26 Für den Erhalt der Sektion für Sexualmedizin am UKSH in Kiel Drs. 17/2155Die Lage der Sektion für Sexualmedizin am UKSH sieht alles andere als rosig aus: Wir allekonnten der Presse entnehmen, dass das Institut rote Zahlen schreibt. Als Reaktion des UKSHauf das erwirtschaftete Minus in der Abteilung wurden bereits Stellen gestrichen. Heutescheint nicht nur die sexualmedizinische Forschung und Lehre, sondern das Institut insgesamtin seiner Existenz bedroht.Offensichtlich beläuft sich das Defizit auf etwas mehr als 150.000 Euro. Dabei ist von allenSeiten zu hören, wie wertvoll und unersetzlich die Arbeit der Sektion Sexualmedizin ist. Auchder ausgezeichnete Ruf des Instituts - weit über die Landesgrenzen hinaus - scheint allenbekannt zu sein. Doch trotz dieser Fakten und trotz der Tatsache, dass sich die Probleme indiesem Bereich schon seit Jahren zuspitzen, haben es die Beteiligten bis heute nicht geschafft,zu einer tragfähigen Lösung zu kommen. Das ist mehr als bedauerlich. 2Wie wichtig die Sexualmedizin für den Universitätsstandort Kiel und das gesamte Land ist,wird nicht zuletzt durch die Stellungnahmen der Richter- und Strafverteidigervereinigung oderder Bewährungshelfer deutlich. Fakt ist, dass diese Gruppen wissen, wovon sie reden, weil sienah an den Betroffenen sind. Sie weisen aus unserer Sicht zu Recht darauf hin, dass die SektionSexualmedizin für die rechtsstaatliche Durchführung von Strafverfahren unersetzlich ist. Manbraucht ganz einfach qualifizierte Gutachter, die belastbare Prognosen treffen können. Siemüssen fundiert aus- und fortgebildet werden. Und hierfür brauchen wir eine eigenständigesexualwissenschaftliche Forschung und Lehre, die den höchsten Standards entspricht. Darangibt es für uns keinen Zweifel.Mindestens genauso wichtig ist aus Sicht des SSW die Aufgabe der Kriminalitätsvorsorge. Undgerade hierzu leistet das Institut einen besonders wertvollen Beitrag. Die qualifizierteBeratungsarbeit hilft dabei, potentielle Täter von der Begehung von Sexualstraftatenabzuhalten. Natürlich ist es schwierig, die Ergebnisse dieser Arbeit in konkreten Zahlen zumessen. Doch wir haben keinen Zweifel daran, dass das Institut um Professor Dr. Bosinski dazubeiträgt, Straftaten zu verhindern. Damit werden nicht nur Folgekosten für die Gesellschaftvermieden. Viel bedeutender ist, dass das menschliche Leid, das mit solchen Straftatenverbunden ist, durch die Arbeit vermindert wird. Der Richterverband hat völlig recht, wenn erdarauf hinweist, dass Mittelkürzungen in diesem Bereich letztendlich die Opfer treffen.Für uns steht fest: Die aktuelle Einwicklung kann nicht tatenlos hingenommen werden. DasKieler Institut ist das einzige seiner Art im gesamten Land, trägt unbestreitbar zur Attraktivitätder Uni bei und leistet unverzichtbare Präventionsarbeit. Diese Einrichtung darf nicht einfachweggespart werden! Natürlich sind zuallererst das UKSH und die Uni Kiel in der Pflicht. Dochnicht zuletzt trägt auch das Land eine Mitverantwortung. So einfach, wie es die Antwort derLandesregierung auf die kleine Anfrage des Kollegen Weber nahelegt, ist es unserer Meinungnach nicht. Denn es ist eine unbestreitbare und wichtige Aufgabe des Landes, die Sicherheit derBevölkerung zu gewährleisten. Deshalb unterstützen wir unverändert die Forderung an die 3Landesregierung, ressortübergreifend und gemeinsam mit UKSH und CAU ein Konzept zumErhalt der Sexualmedizin zu entwerfen.Der SSW ist der Meinung, dass eine Schließung der Sektion kaum auf anderen Wegenaufgefangen werden kann. Es gibt landesweit keine Alternativeinrichtung, die auf annäherndgleichem Niveau Therapien für inhaftierte Sexualstraftäter durchführen kann. Und es gibtkeine andere Anlaufstelle, die Männer mit pädophilen Neigungen ähnlich professionellversorgen und damit verhindern kann, dass sie zu Tätern werden. Die Sektion fürSexualmedizin am UKSH leistet höchst professionelle Arbeit. Hier können nicht einfachEhrenamtliche oder Nicht-Therapeuten einspringen. Die Folge wäre, wie im Antrag der SPDbenannt, dass gefährliche Sexualstraftäter unzulänglich begutachtet und therapiert werdenund weiterhin eine Gefährdung der Bevölkerung im Land darstellen. Das müssen wirunbedingt verhindern.