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06.05.05
11:22 Uhr
Landtag

Abschluss der Europawoche 2005: Die Werte der Europäischen Union sichern den Frieden

47/2005 Kiel, 6. Mai 2005 Sperrfrist: 8. Mai, 10:00 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort!


Abschluss der Europawoche 2005: Die Werte der Europäi- schen Union sichern den Frieden

Kiel (SHL) – Zum Abschluss der diesjährigen Europawoche findet am kommenden Sonntag, 8. Mai 2005, um 10:00 Uhr in der Kieler Nikolaikirche ein Gottesdienst statt. Wir dokumentieren vorab das Grußwort von Landtagsvizepräsidentin Ingrid Franzen:
Heute feiern wir den 60. Jahrestag des Kriegsendes und den Abschluss der dies- jährigen Europawoche gemeinsam mit diesem Gottesdienst. Ich möchte versu- chen, die Fäden „ Kriegsende und Frieden“ und „Europa“ aufzunehmen und mitein- ander zu verknüpfen. Als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges und der Diktatur des 3.Reiches gab es Millionen Opfer, maßloses Leid und Zerstörung. Wer hätte sich damals vorstellen können, dass Deutschland, SH und Kiel 60 Jahre später geachte- tes Mitglied einer Europäischen Gemeinschaft mit 25 Staaten? Denn aus Krieg er- wächst nicht zwangsläufig dauerhafter Frieden. Wichtig in einer solchen Situation ist die Erkenntnis über das eigene Verhalten und damit einhergehend der Wille zur Versöhnung. Richard von Weizsäcker bezeichnete in seiner Rede zum 40. Jah- restag des Kriegsendes den 8. Mai 1945 „als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte […], das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg“, wie er es in seiner hoch geachteten Rede im Deutschen Bundestag formulierte. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft fand mehrere Jahre nach Kriegsende in der Vision von einer Europäischen Union ihre Chance. Die Europäische Idee war in den Nachkriegsjahren zunächst auf eine wirtschaftliche Zusammenarbeit ausgerichtet., besonders auf die Land- und Ernährungswirtschaft. Aber sie gab auch eine Antwort auf die Frage: Wie ist überhaupt Versöhnung, wie ist Frieden 2


möglich, nachdem Menschen sich gegenseitig so viel Leid angetan haben? Zu den wirtschaftlichen Verbindungen kamen zunehmend Kooperationen in anderen gesell- schaftlichen Bereichen, so dass mit der Zeit ein engmaschiges Netzwerk der Ge- meinsamkeiten entstand. Als anschauliches lokales Beispiel nenne ich die Städtepartnerschaft zwischen den beiden Kriegshafenstädten Kiel und Brest . Nach anfänglichem gegenseitigem Miss- trauen überwand die Bevölkerung die vorhandenen Ressentiments. Inzwischen kann man feststellen, dass sich die Beziehung zu einem innigen Kontakt durch un- gezählte Begegnungen auf gesellschaftlicher, kultureller, sportlicher und wissen- schaftlicher Ebene gewandelt hat. Auch auf Länderebene wurden Kooperationen abgeschlossen und mit Leben erfüllt, erst einmal in Westeuropa, nachher auch in Richtung Osten, insbesondere rund um die Ostsee. Die Annäherung zwischen West und Ost vollzog sich langsam, aber – trotz manchem Stillstand oder Rückschritt - unaufhaltsam. Für uns in Deutschland war sicher eindrucksvoller Höhepunkt in der Entwicklung der Fall der Berliner Mauer. Nur im geeinten und damit friedlichen Europa war die Wiedervereinigung auch für unsere Nachbarn angstfrei denkbar. Wir haben also entscheidende Schritte getan, aber damit sind wir noch nicht am Ziel: Wir müssen ganz sicher sein, dass im europäischen Raum nie mehr krie- gerische Auseinandersetzungen stattfinden werden. Die Kriege, die nach dem Zu- sammenbruch Jugoslawiens in den noch jungen Balkan-Staaten ausgebrochen sind, haben uns wegen der vielen verübten Grausamkeiten erschüttert. Ich glaube aber, es hat uns auch bestürzt, dass es sozusagen „vor unserer Haustür“ passiert ist. Deswegen müssen wir weiter an der europäischen Integration arbeiten. Wir müssen die entstehenden demokratischen Systeme unterstützen und alles tun, um sie in ihrem Bestand zu festigen. In diesen Tagen wurden die Verträge mit den künftigen EU-Mitgliedsländern Bulga- rien und Rumänien unterzeichnet. Dazu habe ich den einen oder anderen kritischen Kommentar in den Medien gehört, der fragt, ob das Boot nicht bereits voll genug sei. Ich frage Sie: Sollen wir, gerade wir, jemanden, der an unsere Tür anklopft und um Einlass bittet, abweisen? Sicher müssen wir die Angst der Menschen ernst nehmen, die um Arbeitsplätze, Sicherheit und Wohlstand fürchten. Aber, das darf nicht der alleinige Maßstab für unsere europäischen Zukunft sein. Denn wir sind uns doch alle einig, dass die Gemeinschaft der europäischen Länder der wichtigste Baustein für den Erhalt des Friedens in Europa ist. Was die Gemeinschaft verbindet, sind die Grundwerte, wie sie in der Europäi- schen Verfassung formuliert sind. Das sind Werte, wie Menschenrechte, De- mokratie und Rechtsstaatlichkeit, denen wir alle hier uneingeschränkt zu- stimmen können. Das sind doch die Werte, die uns vor 60 Jahren abhanden gekommen waren. Wir haben sie wiedererlangt und wollen sie weitergeben. Der 60 Jahre andauernde Frieden verbunden mit den Werten Europas , das sind die Fäden, die am heutigen 8.Mai2005 zusammen gehören.