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Seit 2023 bringt die Reihe „Politik trifft Sport“ Akteure aus beiden Bereichen zusammen. Am 1. April stand ganz aktuell die Frage im Mittelpunkt: Wie steht es um Demokratie und sozialen Zusammenhalt – und welchen Beitrag kann der Sport leisten?
Was können, was müssen Politik und Sport gegen Rassismus, Antisemitismus und andere Formen der Diskriminierung und Ausgrenzung tun? Welchen Beitrag leistet der Sport zur Stärkung und Förderung der Demokratie? Diesen und weiteren Fragen ist Landtagspräsidentin Kristina Herbst gemeinsam mit der Präsidentin des Landessportverbandes, Barbara Ostmeier, dem Leiter des Instituts für Sportrecht an der Deutschen Sporthochschule Köln, Prof. Dr. Martin Nolte, dem Integrations- und Sicherheitsbeauftragten des Elmshorner MTV, Mehmet Karakavak, sowie der Dressurreiterin Nicole Grosch im Rahmen einer Podiumsdiskussion unter Moderation des NDR-Journalisten Andreas Käckell nachgegangen.
Herbst wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass derzeit in vielen Teilen der Welt und auch in Deutschland ein Prozess der gesellschaftlichen Fragmentierung wahrnehmbar sei. Der Staat könne nicht erzwingen, dass sich seine Bürgerinnen und Bürger zu Freiheit, Menschenrechten und Demokratie bekennen. „Für unsere freiheitliche Demokratie ist es deshalb unabdingbar, dass es außerhalb des politischen Sektors Institutionen gibt, in denen Zusammenhalt, Integration und demokratische Partizipation gelebt werden“, so die Parlamentspräsidentin. Zu diesen Institutionen zähle zweifelsohne der organisierte Sport.
Die Landtagspräsidentin unterstrich in der Diskussionsrunde, dass die Grundfreiheiten der Demokratie auch im Sport abgebildet würden. Alarmierend und besorgniserregend seien einzelne rassistische und antisemitische Vorfälle beispielsweise im Rahmen von Fußballspielen der jüngeren Vergangenheit. Diese seien inakzeptabel und nicht zu tolerieren. Aber auch ein weiterer Aspekt bereite ihr Sorgen: „Wir haben in unserer Demokratie leider ein Stück weit verlernt, mit unterschiedlichen Meinungen umzugehen“, so Herbst. Meinungsfreiheit umfasse aber eben nicht nur die eigene Meinung, sondern auch die Meinungsvielfalt – also die Freiheit, eine andere Ansicht zu vertreten.
In ihrem Fazit rief die Parlamentspräsidentin dazu auf, Haltung zu zeigen – auch im Sport. „Wir müssen als Gesellschaft wieder lernen, das Wort zu ergreifen, wenn etwas nicht mit unserer Demokratie zu vereinbaren ist. Hierzu zählt insbesondere auch, die Stimme gegen Antisemitismus und Rassismus zu erheben“, betonte Herbst.
Die Präsidentin des Landessportverbandes, Barbara Ostmeier, betonte die Bedeutung des Sports für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie. „Der Sport ist prädestiniert dafür, Demokratiebildung, Demokratieförderung und Arbeit gegen Rassismus und Gewalt zu leisten, weil er niedrigschwellig und flächendeckend Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichem Status miteinander verbindet“, sagte Ostmeier. „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Es braucht verstetigte und langfristige Projektfinanzierungen im Sport, um nachhaltige zivilgesellschaftliche Projektarbeit – gerade auch im Bereich der Demokratieförderung – leisten zu können. Themen wie Demokratiestärkung müssen als Querschnittsaufgabe begriffen werden.“
Professor Nolte wies auf die Bedeutung der Teilhabe jedes Einzelnen am organisierten Sport für das freiheitliche Gemeinwesen hin. „Die Vereine und Verbände sind die Grundlage unseres Sports – und damit Grundlage für das größte Subsystem der Gesellschaft“, führte Nolte aus. „Was ganz wichtig ist, was dem Sport immanent ist, sind Regeln. Dass man sich an Regeln hält, diese beachtet und akzeptiert“, ergänzte der Leiter des Instituts für Sportrecht. Diese Regeln wiederum würden in einem demokratischen Prozess nach demokratischen Mehrheitsbeschlüssen erlassen werden. Das Akzeptieren solcher Regeln und deren Durchsetzung sei eine Grundvoraussetzung dafür, dass man in einer Demokratie friedlich zusammenleben könne.
Dressurreiterin Nicole Grosch berichtete in der Runde von ihren eigenen Erfahrungen, die sie im Sport gemacht habe. Zwar seien die meisten Erfahrungen positiv. „Aber es gibt natürlich auch Anfeindungen, die nicht schön sind, die einen traurig machen oder auch verletzen“, sagte Grosch. Gerade in der Kindheit und in der Schule sei es manchmal schwer gewesen. Im Laufe der Zeit habe sie aber gelernt, besser damit umzugehen. Grosch mahnte an, sich insbesondere in den Vereinen klar dazu zu bekennen, dass es keinen Platz für Rassismus und Diskriminierung gibt. „Ich denke, es wäre eine große Hilfe, wenn man das offen kommuniziert und zeigt, dass jeder willkommen ist – egal woher man kommt, welche Hautfarbe man hat oder welcher Religion man angehört. Sport und Vereine können hier viel bewirken.“
Auch der Integrations- und Sicherheitsbeauftragten des Elmshorner MTV, Mehmet Karakavak, betonte die Wichtigkeit des organisierten Sports für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Seine Aufgabe als Integrationsbeauftragter des Vereins bestehe im Wesentlichen darin, zu helfen, zu mobilisieren und zu unterstützen. Es gehe im Kern darum, zu vermitteln, dass alle Menschen im Verein willkommen und Teil der Gemeinschaft seien. „Das erreiche ich aber nur, weil ich auch viel Unterstützung habe“, betonte Karakavak. Seine Aufgabe sei es, die Menschen zusammenzubringen und bei bestehenden Konflikten zu deren Lösung beizutragen. Dabei helfe ihm auch seine eigene Erfahrung als Kind von Gastarbeitern in Deutschland.