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27. März 2025 – März-Plenum

Northvolt: Opposition fordert Transparenz von der Regierung

Nach der Northvolt-Insolvenz in Schweden geht es auch um die Zukunft der Investition bei Heide. Vertreter der Koalition sind zuversichtlich, dass im Worst-Case-Fall andere Investoren Interesse zeigen. Die Opposition hat Fragen zu den Risiken.

Madsen Claus Ruhe Minister CDU Plenum
Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU): „Wir werden weiterhin alles im Rahmen unserer Möglichkeiten tun, dieses Projekt in Heide zu realisieren.“ Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Trotz der drohenden Insolvenz des schwedischen Mutterkonzerns: Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) hält den Kurs der Landesregierung beim Thema Northvolt nach wie vor für richtig: „Alle, auch wir, haben die Erfolgschancen als sehr hoch angesehen“, betonte der Minister in einem von der FDP beantragten Regierungsgsbericht. Auch nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Stockholm sah Ruhe Madsen gute Perspektiven für das Gelände an der Westküste, wo eine „Giga-Factory“ des Konzerns entstehen soll: „Ich glaube weiterhin daran, dass eine Batteriefabrik bei Heide eine riesige Chance für Schleswig-Holstein bietet.“ Die Opposition warf dem Minister hingegen vor, gegenüber dem Parlament absehbare Risiken nicht dargelegt zu haben.

Northvolt hatte geplant, in Dithmarschen Batterien für Elektroautos zu bauen und 3.000 Arbeitsplätze zu schaffen. Der Konzern hat dafür rund 600 Millionen Euro von der staatlichen Förderbank KfW erhalten. Bund und Land bürgen je zur Hälfte. Im Landtag hatten alle Fraktionen die Northvolt-Ansiedlung unterstützt. Die deutsche Tochterfirma, die die Baustelle bei Heide betreibt, sei von der Insolvenz nicht betroffen, unterstrich der Minister in der fast zweistündigen Debatte. Für die Zukunft seien verschiedenen Szenarien denkbar, etwa ein Erhalt des Konzerns wie auch ein kompletter oder teilweiser Verkauf – das sei momentan „alles reine Spekulation“.

FDP: Alles muss auf den Tisch

Buchholz, Bernd FDP Plenum
Bernd Buchholz (FDP): „Wir wollen eine erfolgreiche Industrie“ (...) „aber wir wollen auch, dass für Schäden Verantwortung übernommen wird.“ Foto: Landtag, Sönke Ehlers

Der Landtag hatte die 300-Millionen-Bürgschaft als Teil des Landeshaushalts 2025 freigegeben. Oppositionsvertreter hatten nach Beginn des Insolvenzverfahrens bemängelt, entscheidende Informationen nicht gekannt zu haben, etwa ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC. „Ja, man hätte die Risiken ausführlicher verschriftlichen können“, gestand Ruhe Madsen in der Debatte. Aber „jeder, der das Gutachten liest“, wäre zu dem Schluss gekommen: „Es war genau richtig, was wir getan haben“, betonte der Minister. An die Opposition gewandt sagte er: „Selbst, wenn Sie ein paar Seiten mehr aus einer Kabinettsvorlage gesehen hätten, hätten Sie nicht anders entschieden.“

Bernd Buchholz (FDP) sah sich hingegen über die Vor- und Nachteile der Ansiedlung nicht ausreichend informiert: „Wie kann ein Parlamentarier die Pros und Cons abwägen, wenn er die Cons gar nicht kennt?“ Die Frage sei, „ob Sie bewusst oder unbewusst dem Parlament bestimmt Dinge vorenthalten“. Buchholz appellierte an die Landesregierung: „Sorgen Sie für Transparenz. Sorgen Sie dafür, dass das alles auf den Tisch des Hauses kommt.“ Auch er wolle, dass an der Westküste eine erfolgreiche Industrie entsteht, „aber wir wollen auch, dass für Schäden Verantwortung übernommen wird“.

Koalition: Entscheidung war „wohlüberlegt“ und „richtig“

„Die 300 Millionen Euro sind weg“, stellte Beate Raudies (SPD) fest, und „um eine Aufarbeitung des Verlustes von 300 Millionen werden wir im Landtag nicht herumkommen“. Die entscheidende Frage sei: „Hatten wir als Landtag, als Abgeordnete, alle der Landesregierung vorliegenden Akten auf dem Tisch oder wurden Dinge unter dem Deckel gehalten?“ Es gehe auch um das „Informationsinteresse der Öffentlichkeit“. Ihre Oppositionskollegin vom SSW, Sybilla Nitsch, forderte: „Sie müssen in den nächsten Wochen und Monaten beweisen, dass Sie transparent sind“. Die bislang vorliegenden Akten zeigten, „dass uns eventuell Informationen vorenthalten wurden“. Nitsch rief die Regierung zu „Demut“ angesichts des zu befürchtenden hohen Verlusts auf.

„Die Ansiedlung von Northvolt war kein Schnellschuss, sondern eine wohlüberlegte wirtschaftspolitische Entscheidung“, merkte Lukas Kilian (CDU) an. Nicht nur das Land, sondern auch der Bund hätten das Risiko als gering und die Chancen als „extrem positiv“ eingeschätzt. Aber „für politische Entscheidungen gibt es keine Vollkaskoversicherung“, so Kilian. Natürlich habe es Risiken gegeben, sagte Lasse Petersdotter (Grüne), denn es sei ja eine staatliche Förderung nötig gewesen – „andernfalls hätte es der Markt geregelt“. Aber: „Ich hätte der Sache trotzdem zugestimmt“, so Petersdotter: „Es war richtig, dass wir diesen Weg gegangen sind.“

Am 12. März wurde bekannt: Nach den USA hat der schwedische Batteriesteller-Konzern Northvolt auch in seiner Heimat die Reißleine gezogen und Insolvenz angemeldet. Der Betrieb in Deutschland und damit der Bau einer Fabrik bei Heide zur Fertigung von Zellen für Elektroautos soll zwar fortgesetzt werden, doch das vor knapp einem Jahr gestartete Milliardenprojekt ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des schwedischen Mutterkonzerns. Jetzt will die FDP von der Landesregierung wissen, wie sie die Auswirkungen der Northvolt-Insolvenz in Schweden auf Schleswig-Holstein einschätzt und hat diesbezüglich einen mündlichen Bericht beantragt.

Bei der Berichterstattung, so die Liberalen, sei „explizit auch auf die finanziellen Konsequenzen für den Landeshaushalt einzugehen“. Schon seit Längerem möchte die FDP-Fraktion unter anderem wissen, seit wann die Landesregierung von operativen und finanziellen Schwierigkeiten bei Northvolt wusste. Noch ist unklar, wie teuer die Insolvenz für Deutschland am Ende wird. 2020 sicherte der Bund eine Finanzierungstranche kommerzieller Banken über 525 Millionen US-Dollar zu 80 Prozent ab, um die Versorgung der deutschen Autoindustrie mit Batterien sicherzustellen. Zudem hat Northvolt rund 600 Millionen Euro von der staatlichen Förderbank KfW erhalten. Hinzu kommen 20 Millionen Euro für Zinsen und Verfahrenskosten. Bund und Land bürgen je zur Hälfte.

Regierung in ersten Reaktionen optimistisch

Eine Folge der sich ausweitenden Krise des Konzerns: Anfang Februar musste der Finanzausschuss des Landtages in Zusammenhang mit den Auswirkungen des in den USA geführten Chapter-11-Verfahrens der Northvolt AB auf die KfW-Wandelanleihe die anteilige Risikoübernahme des Landes in Höhe von 300 Millionen Euro bewilligen. Das Land hat diese Summe bereits im laufenden Haushalt eingeplant, ebenso wie den Landesanteil an der Förderung des Projekts in Dithmarschen in Höhe von 137 Millionen Euro.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hofft weiter auf eine Neuaufstellung des Northvolt-Unternehmens und betonte: „Der Betrieb in Heide wird fortgesetzt“. Das sei ein ganz wichtiges Signal, denn: „Wir brauchen in Deutschland eine eigene Batteriezellproduktion“, sagte Günther kurz nachdem die Northvolt-Insolvenz in Schweden bekanntgegeben worden war. Ähnlich äußerte sich Landeswirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen im Finanzausschuss. Der Standort in Dithmarschen sei sehr „lukrativ“ und stoße auch bei anderen Batterieherstellern auf „hohes Interesse“, sagte der CDU-Politiker.

3000 Jobs sollen entstehen

Northvolt will in Schleswig-Holstein Batteriezellen für bis zu einer Million Elektroautos pro Jahr bauen. Den Startschuss für den Bau des 4,5-Milliarden-Euro-Projekts gaben Ende März 2024 unter anderem Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). In der Fabrik sollen rund 3.000 Jobs entstehen.

(Stand: 21. März 2025)

Vorherige Debatten zum Thema:
November 2023
September2023

Letzte Ausschusssitzungen zum Thema:
12. März / Wirtschaftsausschuss
6. März ‚/ Finanzausschuss

Antrag

Top 30:
Mündlicher Bericht zu den Auswirkungen der Northvolt-Insolvenz auf
Antrag der FDP-Fraktion – Drucksache 20/3050