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Lars Harms zu TOP 25 + 32 - Atomausstieg verbindlich umsetzen! und Kosten der Energiewende nicht auf die Verbraucherinnen und Verbraucher abwälzen
PresseinformationKiel, den 27. April 2012Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 25 + 32 Atomausstieg verbindlich umsetzen! und Kosten der Energiewende nicht auf die Verbraucherinnen und Verbraucher abwälzen Drs. 17/2493 + 17/2502Neben den beiden Kraftwerken Krümmel und Brunsbüttel, avanciert nun auch das AKWBrockdorf zum Pannenmeiler. Der einstige Vorzeigemeiler in Schleswig-Holstein wurde nachdem Fund gebrochener Niederhaltefedern an Brennelementen vollständig heruntergefahren undunterliegt nun der Revision. Es bleibt abzuwarten, zu welchem Ergebnis die Atomaufsichtkommen wird. Eins steht jedoch heute schon fest: Brokdorf wird spätestens 2021 endgültigabgeschaltet. Auch wir hätten uns hierfür einen früheren Zeitpunkt gewünscht, aber so ist es imAtomgesetz festgelegt. Wie wir wissen, handelt es sich hierbei um ein Bundesgesetz. Daher istdie Forderung der Linken, das AKW sofort abzuschalten, in der Form so nicht umsetzbar. Darüberhinaus, gibt es mit dem Betreiber bestehende Verträge - die zu akzeptieren sind - weil sie nachRecht und Gesetz geschlossen wurden. Daran haben wir uns zu halten.Weiter will ich auf den Antrag der Linken hier nicht eingehen. 2Kommen wir nun zum Antrag der SPD. Mehrfach konnten wir den Eindruck gewinnen, dass dasAtomgesetz eher dem Schutz der Anlagen dient, als der Sicherheit der Menschen. Wie kann essonst sein, dass die Betreiber von Krümmel und Brunsbüttel derart vorgehen konnten, wie wir eshier im Land erlebt haben. Daher begrüße ich die Forderung der SPD nach strengeren Gesetzenfür den Betrieb und strikteren Vorgaben für die Abwicklung der Meiler.Die Abwicklung der Meiler mit ihren radioaktiven Elementen wird uns über Jahre beschäftigen.Damit sich dies nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag hinzieht, brauchen die Kraftwerksbetreiberklare vorgaben. §7 Absatz 3 Atomgesetz sieht derzeit zwei Möglichkeiten für die Stilllegung derAnlagen vor - den sicheren Einschluss oder den Abbau der endgültig stillgelegten Anlage.Mit dem sicheren Einschluss wird dass Ziel verfolgt, über einen längeren Zeitraum Radioaktivitätabklingen zu lassen, um den Rückbau zu erleichtern. Je nach Art der Anlage kann dies mehrereJahrzehnte dauern - Experten gehen von Zeiträumen von 40 bis 60 Jahren aus.Damit haben die betroffenen Kommunen über Jahrzehnte keine Planungsmöglichkeit für denBetriebsstandort. Bereits der Wegfall eines Kraftwerks stellt für die betroffene Kommune einenwirtschaftlichen und finanziellen Einschnitt dar. Wenn aber auch noch das Betriebsgelände nachder Stilllegung über Jahrzehnte unbeplant und brach liegen bleiben muss, ist dies ein weitererEinschnitt für die Kommune. Denn solange das Atomkraftwerk stehen bleibt, ist das Gelände fürnichts zu gebrauchen. Daher fordern wir als SSW, dass die Atomkraftwerke nach der Stilllegungunverzüglich zurückgebaut werden müssen. Die Kosten des Rückbaus dürfen nichtausschlaggebend sein und den Rückbau verzögern.Eine aktuelle Studie von Greenpeace kommt zu dem Ergebnis, dass für die Abwicklung sowie fürdie Entsorgung der Kernkraftwerke rund 34 Mrd. Euro benötigt werden. Da die Endlagerkostenaber nur schwer einzuschätzen sind, müssten hier mit weiteren Ausgaben gerechnet werden.Alles in allem kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass der Atomausstieg rund 44 Mrd. Eurokosten wird, die die Energiekonzerne zu tragen haben. 3Dies ist eine Stange Geld und hier wollen wir die Betreiber nicht aus ihrer Verantwortung lassen.Laut der Studie belaufen sich die Rückstellungen von Eon, RWE, EnBW und Vattenfall nun beirund 30 Mrd. Euro – die zur Zeit aber nicht insolvenzsicher sind. Hier brauchen wir einegesetzliche Regelung, die die finanziellen Mittel sichert. Es darf nicht sein, dass der Steuerzahlerhier am Ende auf den Kosten sitzen bleibt. Die Konzerne müssen für die Kosten desAtomausstiegs selbst aufkommen.Mit dem unverzüglichen Rückbau der stillgelegten Anlagen kommen wir automatisch zu derFrage, wohin mit dem radioaktiven Müll. Derzeit wird er in korrodierten Fässern an denjeweiligen Anlagenstandorten zwischengelagert - aber das ist natürlich keine Lösung.Wohin also mit dem atomaren Müll, wenn die ersten Meiler zurück gebaut werden? DasEndlagerproblem ist derzeit immer noch nicht gelöst. Deshalb muss jetzt schnell und ohneVorabfestlegung ein Standort gesucht werden und festgelegt werden. Leider müssen wir jetztdie Lasten tragen, die die politische Fehleinschätzung „Pro-Atomkraft“ ausgelöst haben.Ein Endlager – wo auch immer – wird notwendig sein, aber entscheidend ist, dass die, diejahrzehntelang riesige Geldsummen mit der Atomkraft verdient haben, jetzt auch für den darausentstandenen Schaden gerade stehen und den Schaden so gering wie möglich halten. Deshalbstimmen wir dem SPD-Antrag zu.